Der Verstand von Yogi Bhajan

von Atma Singh Harazim in der Zeitschrift "Tattva Viveka" Nr. 27, März 2006

Seine Projektionen und seine vielfachen Facetten, Kelkheim, Splittstoeßer, 2001, 266 Seiten, 51 s/w-Abb., broschiert, 19 Euro, ISBN 3-934022-36-7 Der Verstand - Yogi Bhajan/Gurucharan S.

Was sind Gedanken? Wo kommen sie her? Wie funktioniert der Verstand? Fragen wie diese finden in dem Buch "Der Verstand" eine Antwort. Ganz anders als in der westlichen Gehirnforschung wird hier nicht die Materie "unter die Lupe genommen", sondern der Geist selbst aus spiritueller Sicht in seiner Funktionsweise analysiert.

Es ist ein Buch über die grundlegende Natur des Verstandes und darüber, was wir unternehmen können, um ihn zu dirigieren, zu entwickeln und zu kultivieren. Obwohl kein Yogabuch, geht es doch um die elementare Vorgehensweise, die allen Yogas gemein ist: Den Verstand zum Diener der Seele und damit der kosmischen Seele zu machen. Yogi Bhajan erklärt, wie wir lernen können, unseren Verstand bewusst zum Wohle unserer Selbst und Anderer einzusetzen, anstatt zum Opfer unserer eigenen Gedanken zu werden.

Im ersten Teil des Buches, das vor allem Vorträge Yogi Bhajans enthält, wird zunächst in klarer und eindringlicher Sprache die grundlegende Natur des Geistes mit seinen 3 funktionalen Ebenen, 9 Aspekten, 27 Projektionen und 81 Facetten erläutert. Es wird erklärt, wie der individuelle Geist in Interaktion mit den funktionalen Anteilen des universellen Geistes, die durch die 3 Gunas bestimmt werden, einzelne "Kontrollprojektionen" hervorbringt, die als archetypische Subpersönlichkeiten repräsentiert werden, wie z.B.: "Der Verteidiger, der Kundschafter, der Schauspieler, der Richter, etc.", die sich dann jeweils wiederum in verschiedener Ausprägungen manifestieren als "zu stark, zu schwach oder balanciert" und unser Denken, Fühlen und Handeln direkt beeinflussen.

Im zweiten Teil werden dem Leser dann konkrete Meditationstechniken aus dem Kundalini-Yoga "ans Herz gelegt", die es ermöglichen sollen, die einzelnen Projektionen ins Gleichgewicht zu bringen. In den Texten dazu wird erklärt, was passiert, wenn diese unausgeglichen sind, und welche Mantren, Mudras und Atemtechniken Abhilfe schaffen können. Zum Beispiel ist es wohl auf Anhieb jedem klar, dass eine zu euphorische Grundhaltung zu Ungeduld, halbherzigem Verhalten und anderen Launen führen kann, und dass daraus Schwierigkeiten im Leben resultieren. Dass dies jedoch als eine zu starke "Projektion 17 (der Enthusiast)" diagnostiziert werden kann und man sofort erfährt, wie dies durch gezielte Übungen bewusst verändert werden kann, eröffnet völlig neue Perspektiven für Heiler, Yogalehrer und Therapeuten, ebenso wie für jeden, der an sich arbeiten will.

So alt und ehrwürdig das yogische Wissen sein mag, das diesem Buch zu Grunde liegt, so revolutionär ist die Tatsache, dass es nun jedermann zugänglich ist. Die Frage ist wohl weniger, ob dies ein gelungenes Buch ist, sondern eher, ob wir, die Leser, überhaupt in der Lage sind, diese Informationen zu verstehen und anzuwenden. Dass Bücher wie dieses immer noch wenig Einfluss auf die moderne Psychologie zu nehmen scheinen, bekräftigt die Annahme, dass es noch einige Jahre dauern kann, das aus Erfahrung gewachsene, ganzheitliche Wissen des Yoga in unserem westlichen Wissenschaftsverständnis der Messwerte und Hirndiagramme einzuordnen und zu integrieren.

Florian Harazim

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