Ankerpunkte: Eine Tendenz erzeugen, um das Denken zu öffnen

Yoga bedeutet in der wörtlichen Übersetzung dass wir uns „anbinden“. Der Yogi versucht sich mit Hilfe einer (Körper-)Haltung zu verankern. Gleichzeitig findet mit Hilfe von Meditation eine mentale Anbindung statt, die mit der Körperhaltung verknüpft ist. Beides zusammen erhöht das körperbewusstsein und gibt Halt von innen.
Viele Yogis berichten, dass die tägliche Wiederholung von Yoga und Meditation (z.B. frühes Morgenyoga, sogenanntes Sadhana) innere Grenzen und Barrieren öffnen kann. Manche berichten davon, dass Bewusstsein ausdehnt und die eigene Toleranz gefördert wird. Tatsächlich werden Personen die Yoga praktizieren als toleranter und offener wahrgenommen.
Die Realität ist nicht so eindeutig. Die Praxis von Kundalini Yoga ist offensichtlich kein Garant für einen freien Geist.
Neurologische Studien verweisen auf das „ideologische Gehirn“
„Das ideologische Gehirn“ ist der Titel eines Buches von Leor Zmigrod, indem eine Vielzahl von Studien zusammengefasst werden. Es besteht der Verdacht, dass das ständige Wiederholen von festgelegten Ritualen wie Yoga ideologisches Denken begünstigen kann. Im Kundalini Yoga kann das periodische Wiederholen von „Klangwörtern“ oder bestimmte, immer wiederkehrende Körperpraktiken messbare Auswirkungen auf die Plastizität des Gehirns haben.
Das „ideologische Gehirn“ sehnt sich nach absolute Antworten und strikte Verhaltensregeln. Wenn diese mit rituellen Praktiken oder Symbolen in Verbindung gebracht werden, kann eine rigide Eigengruppen-Dynamik entstehen. Diese kann kann zu einer Überhöhung des vermeintlich „Eigenen“ und Herabwürdigung des angeblich „Fremden“ führen.
Möglicherweise kommt es auf die Art und Weise der Yogapraxis an, ob Yoga den Geist öffnet oder rigideres Denken bestärkt. Eine Rolle spielt dabei der innere Kompass oder Fokus- bzw Ankerpunkt, der rote Linien definiert. Wenn dieser Ankerpunkt in einem rigiden Umfeld eingeordnet ist, dürfte die oben beschriebenen Eigengruppen-Dynamik zum tragen kommen.
Wenn der Ankerpunkt hingegen auf der Vorstellung von Einheit (=Yoga) und Augenhöhe und Partizipation basiert, kann das Denken mit Hilfe von Yoga geöffnet werden.
Jenseits von Wellness
Wer an einem umfassenderen Verständnis von Gesundheit und Wohlbefinden interessiert ist, kommt an einem Ankerpunkt nicht vorbei..
In ihren Buch „Beyond Wellness“ schreibt Liz Bucar über den Urspung der allermeisten Wellness-Trends in religiösen Riten und Praktiken, was den wenigsten bewusst sei. Von der Wurzel her betrachtet geht es bei Gesundheitstrends wie Diäten oder Yoga nicht um Optimierung, sondern um Gleichgewicht.
Meditation und Achtsamkeit haben erst mal positive Wirkungen, das ist erforscht. Aber einige Menschen spüren auch Nebenwirkungen. Das kann von Schlafstörungen bis zu Dissoziationen reichen. Oder man lernt, sich so sehr zu beruhigen, dass man ungesunde Situationen aushält anstatt sie zu verlassen. Der westliche Fokus auf Selbstoptimierung kann dazu führen, dass sie die positiven Wirkungen der Yogapraxis nach einiger Zeit in ihr Gegenteil verkehren.
Damit wir den Druck der Zeit standhalten, brauchen wir weniger Kontrolle, weniger Leistungsdruck. Wir setzen Ankerpunkte, die Heilung und Transformation ermöglichen. Diese Ankerpunkte sind keine konkreten Punkte in Zeit und Raum, sondern eine innere (und äußere) Haltung. Zumeist dient unserer eigene Wertekanon (und die damit verbundene Rezeption unserer Wahrnehmung) als zentraler Ankerpunkt. In Bezug auf Heilung und Resilienz sind dies Vorstellungen von Einssein mit der Welt (oder dem Universum, oder Gott, je nach Präferenz). Wir finden unterschiedliche Weltanschauungen die als Anker dienen können im Buddismus, in der vedischen Lehre vom Leben (Ayurveda) oder in der Goldenen Kette des Kundalini Yoga.
Technologie und Weltanschauung
Die Ankerpunkt beinhaltet eine untrennbare Verbindung mit unserem eigenen gesundheitlichen Idealbild. Es gibt allerdings auch Ankerpunkte, die über die Basisfunktion unseres Selbst hinaus gehen und unsere kollektiven Werte reflektieren. Sie sind mit unserer politischen Identität verknüpft. Diese Ankerpunkte entscheiden darüber, ob wir regides oder offenes Denken fördern. Unser Körper dient dabei als Brücke und Bezugsrahmen. Bias und Mindset wird in Frage gestellt, um unsere Wahrnehmung auf eine wahrhaftige Basis zu stellen.
Die Anbindung erzeugt eine Tendenz, die sich an den Bedürfnissen und Bedingungen des eigenen Körpers orientiert. Im Yoga gehen wir von einem heilen und wahren Kern des Selbst aus. Durch die Anbindung erlangen wir eine besondere Form von Souveränität, mit der wir den Herausforderungen des Lebens gewachsen sind.
Diese Haltung hat eine individuelle Komponente und kann deshalb nicht allgemeingültig für alle beschrieben werden. Sie löst bei den Betroffenen jeweils sehr unterschiedliche Widerstände aus, die zu unterschiedlichen Verhaltensweisen führen können.
Das Selbst benötigt Ankerpunkte zum wurzeln, weil unser Geist in allen Richtungen endlos ist. Um trotzdem in einer materiellen Welt existieren zu können, ankern wir uns mit Hilfe von Weltanschauungen.
Kundalini Yoga: Was ist die gemeinsame Grundlage?
Online per ZOOM
Infoabend inkl. Yoga-Set mit Sangeet Singh
Yoga und Meditation kann zu einem Gefühl der Verbundenheit mit sich selbst führen. Gleichzeitig braucht es Werte, die als Ankerpuntke eine Tendenz erzeugen, die sich an den Bedürfnissen und Bedingungen des eigenen Körpers orientiert. Im Yoga gehen wir von einem heilen und wahren Kern des Selbst aus. Durch die Anbindung erlangen wir eine besondere Form von Souveränität, mit der wir den Herausforderungen des Lebens gewachsen sind.
Infos: Tel: 0178/5064628
Informationen zur Veranstaltung
| Beginn der Veranstaltung | 29.04.2026 19:30 |
| Ende der Veranstaltung | 29.04.2026 21:00 |
| Einzelpreis | Frei |
| Veranstaltungsort | Online |








