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Yoga
für Jugendliche
von Atma Singh Harazim
Viel hat sich in den letzten Jahren in
der Yogaszene getan und in vielen Städten gibt es mittlerweile
ein vielfältiges Angebot für verschiedene Zielgruppen
und Alterstufen. Es reicht von Schwangerenyoga und Kinderyoga
über vielfältigste Angebote für Menschen
mittleren Alters bis hin zu sanften Yogaprogrammen für
ältere Menschen.
Auffällig ist, dass eine Altersstufe dabei noch kaum
vertreten ist: Nämlich Jugendliche in der Pubertät
zwischen 12 und 16. Dies ist umso erstaunlicher, wenn man
berücksichtigt, dass in den Yogatraditionen Indiens
dies meist genau die Zeit war, in der man als junger Mensch
den Yogaweg begann. Yogi Bhajan wurde im Alter von 16 Jahren
sogar bereits Meister des Kundalini Yoga.
Woran liegt es, dass so wenige Jugendliche
Yoga praktizieren? Könnten sie es nicht eigentlich
besonders gut gebrauchen? Wenn ja: Wie kann man das Yoga-Angebot
auf die Bedürfnisse der Jugendlichen abstimmen?
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Yoga für Jugendliche in Indien
In Indien, dem Herkunftsland des Yoga, war es
üblich, kurz vor der Pubertät mit dem Yogatraining zu
beginnen. Söhne von Bramahnen wurden mit 10 Jahren zu ihrem
spirituellen Lehrer geschickt, Kshatrias mit 12 Jahren. Dies wurde
von Ritualen und Initiationsriten begleitet, die die Ablösung
von den Eltern und das Hineinwachsen in die Selbstverantwortlichkeit
unterstützten. Bei ihrem spirituellen Lehrer lernten die
Jugendlichen nicht nur Lesen und Rechnen, sondern wurden je nach
Tradition auch in yogischen Praktiken, Meditation und spiritueller
Philosophie unterwiesen. Sie bekamen Aufgaben, um ihre Fähigkeiten
zu entwickeln, zu erproben und unter Beweis zu stellen und Verantwortung
zu entwickeln, indem sie ihrem Meister oder der Gemeinschaft dienten.
So erhielten sie in dieser Zeit, in der sie noch über besondere
Aufnahmefähigkeit verfügten und sich ihre Persönlichkeit
noch in einem labilen Prozess der Reifung befand, eine ganzheitliche
Bildung.
Ähnliche kulurelle Formen der "Pubertätsgestaltung"
gab es nicht nur im alten Indien, sondern in vielen (vielleicht
allen?) traditionellen Gesellschaftssystemen. Sie sollten das
Kind in geordneten Bahnen zur Eigenständigkeit und Selbstqualifikation
führen.
Wir leben heute in einer Welt, die sich rasant
weiterentwickelt, und in der Tradition, Religion und traditionale
Rituale weitgehend an Bedeutung verloren haben. Jugendliche wachsen
in eine Welt hinein, in der es immer schwieriger wird, sich zu
orientieren. Die Pubertät erscheint heute als eine Art unvermeidliches
Chaos, durch das man eben durch muss. Während Jugendliche
einerseits oft lange wie Kinder behandelt werden, erwartet man
von ihnen ab einem bestimmten Alter plötzlich, "erwachsen"
zu sein - wobei gar nicht unbedingt definiert ist, was das eigendlich
bedeutet.
Die staatliche Schulbildung, die einen starken Fokus auf die Vermittlung
von rationalem und materiellem Wissen legt, bietet zu wenig Raum
und konkrete Ansätze für eine ganzheitliche Förderung
der jungen Persönlichkeit und wirkt oft wie eine Art "Korsett",
welches die individuelle Entwicklung sogar behindert.
Reizüberflutung, Bewegungsmangel, schädliche Umwelteinflüsse,
Schulstress und Zukunftsängste stellen große Belastungen
dar. Viele Jugendliche leiden heute unter Rückenschmerzen,
Konzentrationsproblemen, Atemproblemen oder fallen durch extrem
unruhiges Verhalten auf. Verhaltensauffälligkeiten sind oft
Warnsignale für Probleme in der Familie und/oder ein Zeichen
von einer ausgeprägten Sensibilität und Intelligenz,
die zu wenig verstanden wird. Eltern wenden sich bisweilen hilfesuchend
an Yogalehrer, mit der Hoffnung, das Yoga könnte ihrem Kind
helfen.
Meine Idee ist, dass es möglich ist, durch Yoga Alltagsrituale
zu schaffen, die Jugendlichen helfen können, eine tiefere
Verbindung zu ihrem Körper, ihrem Geist und zu sich selbst
zu schaffen. Nach meiner Erfahrung kann Yoga im Prozess der Loslösung
vom Elternhaus einen stabilen Raum und Bezugsrahmen bieten, der
Heranwachsenden Halt gibt und eine Alternative oder eine Ergänzung
zu den Einflüssen durch Medien, Schule und Freunde bildet.
Durch verständnisvolle Begleitung und Vorbildfunktion kann
man als Yogalehrer/in Jugendliche unterstützen, die schwierige
Zeit der Pubertät zu überqueren und ihnen schon in jungen
Jahren wegweisende Impulse geben.
Da sie noch im Wachstum sind, können Teenager die neurophysiologischen
und mentalen Lernerfahrungen auf viel tieferer und nachhaltigerer
Ebene integrieren, als dies bei Erwachsenen der Fall ist. Yoga
schon in jungen Jahren zu beginnen, ist eine besondere Chance,
Yoga zu meistern, und zu einem authentischen, bewussten und verantwortungsvollen
Menschen heranzureifen.
| Jugendliche verstehen
lernen
Um Jugendliche erfolgreich in ihrem persönlichen
Wachstum begleiten zu können, ist es notwendig, sie
zunächst einmal besser verstehen zu lernen. Es kann
dabei hilfreich sein, sich bewusst in die Teenager-Jahre
hineinzuversetzen, um wieder in Kontakt mit dem Lebensgefühl
dieser Zeit zu kommen. Auch das Studium der Lebensphasen
und Erkenntnisse der modernen Wissenschaft können wichtige
Anhaltspunkte liefern, um ein tieferes Verständnis
darüber zu erlangen, was in den Jahren der Pubertät
geschieht und was junge Menschen brauchen. Im Basistext
Yoga für Jugendliche möchte ich einen kleinen
Beitrag für ein besseres Verständnis leisten und
aufzeigen, wie dieses Verständnis im Yogaunterricht
für Jugendliche umgesetzt werden kann. Ich beziehe
ich mich dabei auch insbesondere auf die Humanologie Yogi
Bhajans und Zitate meines Lehres Shiv Charan Singh.
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