|
|
Yoga und die innere Sicherheit
Es gibt keine Sicherheiten
mehr - das ist eine Grundlehre des gegenwärtigen Zeitgeistes.
Insofern macht es auch wenig Sinn, das eigene Leben an das
Bedürfnis nach Sicherheit auszurichten.
Diese oftmals schmerzhafte Erkenntnis kann
nur derjenige für sich annehmen, der sich nicht mehr
von äußeren Umständen leiten lässt, sondern
eine eigene "innere Sicherheit" etabliert hat. Diese
Sicherheit ist von anderem Kaliber als die äußere
Sicherheit. Entgegen der allgemeinen Vorstellung wirkt sie
nicht nur bei der praktizierenden Person selber, sondern auch
nach Außen.
Die äußere Sicherheit dürfte
eine Vorraussetzung sein um die innere Sicherheit entwickeln
zu können. In Zeiten der Krise, des Krieges oder der
Aufruhr ist es sehr schwierig, die eigene innere Sicherheit
zu etablieren. In ruhigen Zeiten sollte daher eine ausreichende
Vorarbeit geleistet werden, um sich für stürmische
Zeiten zu wappnen. Allerdings können auch unangenehme
und herausfordernde Umstände einen Ansporn entfalten,
um die eigene innere Entwicklung zu beschleunigen.
Auf der anderen Seite ist die innere Sicherheit aber die einzige
Möglichkeit, um die schwierigen Verhältnisse der
Umbruchzeit durchzustehen, und in eine Ära des Wohlstands
und Friedens zu überführen. Nur Menschen, die innerlich
frei und sicher sind, können die Träger einer neuen
Kultur sein, die sich nicht mehr auf die alten Grundlagen
und Herrschaftssysteme stützen kann.
Yoga ist ein Weg, um innere Sicherheit
und Freiheit zu entwickeln.
Mit Hilfe von Kundalini Yoga wird zunächst
eine Tür zur eigenen Selbstwahrnehmung aufgemacht. Neue
Dimensionen der Selbsterkenntnis tun sich auf, die vorher
verschüttet waren. Nach mancher Yogastunde sind einige
Teilnehmer wie berauscht von der Tiefe ihrer Existenz. Andere
sind fasziniert und schockiert zugleich, dass sie so lange
durchs Leben gegangen sind, ohne sich die Tiefe ihrer Wahrnehmungsfähigkeit
bewusst zu sein.
Die neuen Erkenntnisse haben auch praktische Auswirkungen.
Bisher blockierte Lebensenergie beginnt zu fließen.
Das Niveau der eigenen Möglichkeiten steigt an.
Hier liegen die Quellen der inneren Sicherheit. Um sie anzuzapfen
bedarf es allerdings mehr als die Aktivierung der Lebensenergie.
In einem mehrjährigen Prozess der eigenen
Entwicklung - aus der yogischen Tradition kennen wir hier
die fünf Phasen
der inneren Entwicklung - muss der Blick nach innen verfestigt
werden, um einen dauerhaften Anker bilden zu können.
Dieser feste Anker wiederum ist ein Paradoxon - einerseits
strebt der Mensch nach innerer Befreiung, andererseits gibt
es das unmittelbare Bedürfnis nach einer festen Grundlage,
nach einer Basis, die nicht in Frage gestellt werden kann.
Diese Basis ist in der Tat in einer bestimmten Phase der inneren
Entwicklung eine Vorraussetzung, um weiter wachsen zu können.
Im Yoga ist die Basis das eigene Selbst - dass nicht fassbar
und endlos ist. In einem langen Ringen mit der eigenen Praxis
- etwa in Form des morgendlichen Sadhanas
(frühes tägliches Yoga) - kann sich eine dauerhafte
Beziehung zum eigenen Selbst etablieren.
Manche Menschen hängen sich lieber an
eine konkrete Lehre, etwa eine Religion oder ein Meister,
der/die ihnen Halt verspricht. Solche Bemühungen sind
befristet. Ab einem bestimmten Punkt ist es Zeit, abzuspringen.
Es ist wie ein Ritual oder ein Trip. Es kann für manschen
Menschen nötig sein, so eine Erfahrung zu machen, aber
sobald sie sich verfestigt, wird sie schädlich. Ein Kreislauf
der seelischen Abhängigkeit beginnt, der mit der körperlichen
oder psychischen Abhängigkeit von Drogen vergleichbar
ist.
Manche Trips haben in diesen Zeiten eine
große Anziehungskraft. Aber jeder persönliche Trip
geht irgendwann zuende. Wer nicht abspringt leidet an Realitätsverlust.
Manche Menschen gehen diesen Weg weiter und verlieren sich
in Extremismus oder Leben in einer Parallelwelt ohne Bezug
zu Lebenswirklichkeit der Mitmenschen.
Nur das eigene Selbst hat das Potential der inneren Freiheit,
die nötig ist, um innere Sicherheit zu entwickeln, die
nicht von Außen beeinflussbar ist.
Die Zeit des Umbruchs - der Beginn des Wassermann-Zeitalters
- ist geprägt von dem Zerfall der Gesellschaftsstrukturen.
Trips aller Art haben Konjunktur. Möglicherweise macht
es keinen Unterschied, ob ein Mensch sein Leben auf die Anhäufung
von Wohlstand ausrichtet oder auf die Unterstützung einer
geistigen Idee, etwa in Form einer Religion. Die Religionen
der neuen Zeit - z.B. das Sikh Dharma
- sind individuelle Lehren, ohne ein allgemein gültiges
richtig und falsch, gut oder böse. Yoga ist eine Technologie
ohne Moral, ohne erhobenen Zeigefinger. Jeder nehme sich was
er benötigt.
Dies erzeugt die innere Sicherheit, die für ein friedliches
Weiterleben auf unseren Planeten so wichtig ist.
|