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Mitbestimmung
als individuelles Heilmittel und gesellschaftlicher Bewusstseinsprozess.
von Sangeet
Singh Gill
Der
Verlust einer gemeinsamen Identität des Menschen ist
ein Nebeneffekt der industriellen Revolution aber ebenso Bestandteil
der spirituellen Emanzipation. Die Arbeits- und Lebensprozesse
des Menschen wurden mechanisiert und gleichgeschaltet. Dadurch
wurden zusätzliche Zeit und Energie freigesetzt, die
Raum für die Selbsterkenntnis des Menschen öffnete.
Gleichzeitig findet eine Abgrenzung von kulturellen Prägungen
statt.
Allerdings ist die gesellschaftliche Entwicklung in der Mechanisierung
des Alltags stecken geblieben. Technischer Fortschritt wird
nicht in erster Linie dazu verwendet, den Menschen zu dienen,
sondern steht unter dem Zwang mechanischer Wirtschaftlichkeit.
Der Menschen verliert dadurch sein kreatives Ausdruckspotential
- und ist damit der Sinnlosigkeit ausgeliefert. Das ist das
Los vieler Menschen in unserer heutigen Gesellschaft. Sie
empfinden sich und ihr Handeln als sinnlos. Yoga Bhajan bezeichnet
dies als eine "kalte Depression",
ein wichtiges Merkmal der Übergangszeit zum Wassermannzeitalter.
Ein wichtiger Schritt, um den Zustand der
Sinnlosigkeit zu beenden, ist die Beteiligung an der Entscheidungsfindung
bei gesellschaftlich relevanten Gruppen.
Damit eine Gruppe funktioniert muss sie offen
(im Sinne von transparenten Strukturen auf allen Ebenen) und
produktiv sein.(Bedeutet: es muss mehr dabei herauskommen
als rein gesteckt wurde) Starre Hierarchien demotivieren die
Beteiligten und lähmen die innere Dynamik der Gruppe.
Gruppenfähigkeit bzw. Gruppenbewusstsein ersetzt im Wassermannzeitalter
die bisherigen Gesellschaftsstrukturen und die Führerschaft
von Einzelpersonen. Was nicht mehr ausreicht ist eine Gruppenbindung
über Loyalität oder Tradition. Die Verantwortung
geht auf das Individuum über. Vereinbarungen ersetzen
starre hierarchische Strukturen.
Es ist nicht notwendig, alle Beteiligten
einer Gruppe an allen Entscheidungsprozessen mit einzubeziehen.
Es muss aber klar sein, wer wie Entscheidungen trifft, damit
zumindest die Möglichkeit besteht, Einfluss ausüben
zu können. Dafür sind institutionelle Strukturen
notwendig. Eine Gruppe verliert ihre Legitimation, wenn falsche
Entscheidungen getroffen werden, weil die Entscheidungsträger
nicht auf die Wissensressourcen der Gruppe zurückgegriffen
haben.
Moderne spirituelle Menschen lehnen die Heilsversprechen
von totalitären Weltanschauungen ab. Sie fordern die
derzeitigen Machtträger auf, die Erstarrung zu beenden,
und sich grundsätzlichen Gesellschaftsreformen zuzuwenden
- auch um den Preis des Verlustes der eigenen finanziellen
und politischen Überlegenheit.
Erster Teil des Textes: Die
negativen Folgen eines normalen Lebens.
Eine Neue Verfassung
In Deutschland wird durch einen Passus im
Grundgesetz die Möglichkeit eröffnet, dass sich
die Menschen eine eigene Verfassung wählen, nach der
sie leben wollen. Dieser Artikel 146 wurde von den Gründern
der Bundesrepublik für den Fall eingesetzt, dass die
Menschen in Deutschland in der Lage sind, ihre Belange selber
und in freier Entscheidung in die Hand zu nehmen. Sind wir
schon soweit? Haben die Menschen in diesem Land einen Grad
an Reife erreicht, der einen Prozess der Verfassungsfindung
ermöglichen würde?
Alle Menschen in diesem Land sollen daran beteiligt sein.
Die Verfassung kann in den vorhandenen gesellschaftlichen
Basisgruppen - egal ob Vereine, Gesprächskreise, Parteien
oder sonstige Zusammenschlüsse- diskutiert werden. Jede
Gruppe hat eine Stimme. Alles zählt als Gruppe, wenn
mindestens fünf Menschen zusammenkommen, und sich auf
eine Stimme einigen.
Wahrscheinlich wird es zehn bis zwanzig (vielleicht aber auch
mehrere Hundert) Verfassungsentwürfe geben wird. Diese
werden in einem noch zu entscheidenden Verfahren übersichtlich
zusammengefasst und gegenseitig zur Abstimmung gestellt, bis
schließlich eine Verfassung übrig bleibt.
Dieses Verfahren wird eine Welle des Gruppenbewusstseins
in Gang setzen, die eine neue spirituelle Dimension erreichen
kann - einen spirituellen Aufbruch. Denn Bewusstsein entsteht
durch Komplexität. Je mehr Menschen an dem Prozess zur
Findung einer gemeinsamen Grundlage beteiligt sind, desto
umfassender wird das Gruppenbewusstsein und dessen spirituelle
Komponente - das universelle Bewusstsein - sein.
Damit dieser Prozess stattfinden kann, muss
er von starken Kräften in der Gesellschaft angeschoben
werden. Diese Kräfte sind vorhanden aber nicht organisiert.
Sie schlummern als "kulturell Kreative" versteckt
in der Masse oder auch als unsichtbares Netzwerk zersplittert
in zahlreichen Einzelorganisationen und -gruppen, die alle
das Selbe wollen, aber nicht wissen, wie es praktisch verwirklicht
werden kann.
Die vorhandenen Organisationen versuchen mehr oder weniger
in Konkurrenz zueinander ihren eigenen individuellen Weg zu
gehen und aus sich selbst heraus groß zu werden. Die
Aktiven in diesen Gruppen träumen alle den selben Traum
und sind zugleich gefangen in ihrem eigenen Gruppenbewusstsein,
dass zum größten Teil aus Abgrenzungen zu anderen
besteht. Die Auflösung in ein größeres Gefüge
würde einen Identitätsverlust bedeuten, den nur
wenige Menschen zu ertragen bereit sind. Der Impuls zur Vereinigung
muss von Außen kommen - z.B. durch eine gesellschaftliche
Krise.
Trotzdem hat dieses "unsichtbare Netzwerk" eine
gewisse Schlagkraft entwickelt, die in einer Kampagne für
eine neue Verfassung ihre Dynamik unter Beweis stellen könnte.
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