|
Das Jahr 0
Die Übergangszeit für
den Eintritt in das Wassermann-Zeitalter ist zu Ende. Jetzt
geht es darum, Verantwortung zu übernehmen.
Ihr seit die neuen Führer im
Wassermann-Zeitalter rief Yogi
Bhajan nach einen Weißen Tantra Yoga Kurs 1998.
Damals klang diese Bemerkung merkwürdig und auch etwas
anmaßend. Führer zu sein, das bedeutet politische
und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Nur
wenige der ca. 1000 Menschen, die dort in den Zelt saßen,
erhoben einen Anspruch auf gesellschaftlichen Einfluss oder
gar Führung.
Jetzt, ca. 13 Jahre später, haben sich
die politischen Strukturen aufgeweicht. Vielen Menschen ist
klar, dass inspirierte und selbst-wahrnehmende Politiker nötig
sind, um die anstehenden Probleme zu lösen. Menschen
sind nötig, die die äußeren Umstände
in ihrem Inneren reflektieren und die Kundalini Yoga oder
andere Bewusstseins-Systeme praktizieren.
Aber stehen derartige Personen zur Verfügung?
Heute ist zumindest die Technologie frei
verfügbar, die es den Menschen möglich macht, die
Qualitäten zu erlangen, die für die jetzige Zeit
nötig sind. Was fehlt sind die Führungspersönlichkeiten,
die sich diese Methoden zu Eigen machen. Diejenigen, die Kundalini
Yoga praktizieren, sind zumeist zu sehr mit sich selber beschäftigt,
um in die Gesellschaft strahlende Perspektiven entwickeln
zu können.
Von daher sind keine unmittelbare Umstürze
im Machtgefüge der Welt zu erwarten. Viele der potentiellen
neuen Führer wissen noch nichts von der Rolle, die ihnen
zugedacht ist. Die Gesellschaft gibt ihnen keine Gelegenheit
dazu, sich als Personen mit einer besonderen Verantwortung
wahrzunehmen.
In der Technik wird die Wendung zur neuen
Zeit bereits vollzogen. Alternative und nachhaltige Energien
sind kein Nischenprodukt mehr, sondern in der Mitte der Gesellschaft
angekommen. Das gleiche passiert mit der Landwirtschaft. Biologische
Anbaumethoden setzen sich mehr und mehr durch.
Der wichtige Bereich der Medizinischen Versorgung
steht ebenfalls vor grundlegenden Strukturreformen. Alternativmediziner
und sanfte Vorsorgemethoden stehen zwar im Fokus des Interesses,
aber die entscheidenden Auseinandersetzungen in diesem Bereich
stehen noch bevor. Wenn es gelingt, die moderne Medizin mit
dem alten Wissen der ganzheitlichen Methoden zu verbinden,
wäre viel gewonnen.
Im politischen oder sozial-gesellschaftlichen
Bereich ist die yogische Philosophie und Lebensweise dagegen
nicht in einer Weise etabliert, die eigentlich zum Zeitgeist
passen würde. Die Selbstwahrnehmung der Menschen ändert
sich aber rasant, und damit auch das Verständnis der
Menschen zu Saat, Politik und Wirtschaft,
Was ist die neue Qualität in der
Selbstwahrnehmung und was bewirkt sie?
Das System der Selbstwahrnehmung,
das Yogi Bhajan in einem seiner letzten Vorträge angedeutet
hat, ist ein Schlüssel für das Verständnis
des individuellen Veränderungsprozesses, der durch die
Praxis von Kundalini Yoga ausgelöst werden. Kundalini
Yoga wirkt dabei wie ein Verstärker für Wandlungen,
die die Menschen in dieser Zeit sowieso durchmachen
allerdings ohne sich dessen bewusst zu sein.
Die Selbstwahrnehmung verändert sich
in einer unvorhersehbaren Weise. Die Menschen bekommen die
Kontrolle über ihr Selbst zurück und erkennen dabei
ihre eigene Abhängigkeit von Substanzen, Medien, Beziehungen
und Weltanschauungen, die von Außen auf ihn einwirken.
Dies ist ein recht schmerzhafter Prozess der Selbsterkennung.
Er führt zu einer Destabilisierung, mit Hilfe von Kundalini
Yoga aber auch zu einer ungeahnten neuen Kraft, denn die alten
Abhängigkeiten binden einen Grossteil der schöpferischen
Energie. Wenn sie in Frage gestellt oder losgelassen werden,
beginnen innere Kraftquellen zu fließen. Am Anfang ist
das etwas bedrohlich, da die neue Energie zumeist keine Form
hat, in die sie in sinnvolle Aktionen übersetzt werden
kann. Das Leben chaotisiert. Mit der Zeit kann der Mensch
aber lernen, die neue Kraft in sinnvolle Bahnen zu lenken.
Diese Selbstermächtigung öffnet
die Tür zu einer umfassenden Intuition, die auch alle
Vorgänge im Außen mit einbezieht. Einher geht oftmals
eine Identitätskrise, die individuell stärker oder
schwächer ausgeprägt sein kann. Am Ende dieser Krise
steht dann eine Neubewertung des Selbst, das nicht mehr unter
dem Einfluss seiner Umgebung steht. Die eigene Arbeit und
der Umgang mit anderen Menschen werden neu bewertet. Die eigene
Position in Bezug auf die Gesellschaft steht in einem neuen
Licht.
Eine Systemkrise ist hierbei eine Möglichkeit
für all jene, die an sich selber arbeiten wollen. Sie
können die Unruhe und Angst differenziert und distanziert
betrachten, und einen Weg wählen, der ihre eigene Position
verbessert. Dies ist eine Chance für all die vielen Alternativmediziner
und Lebensberater, Gesellschafts- und Energiearbeiter, Biobauern
und kulturell Kreative, um aus ihrer sozialen Nische heraus
zu treten und ihre rechtmäßige Rolle in der Mitte
der Gesellschaft einzunehmen.
Sangeet Singh Gill
|