Facebook et al.: Gefahr erkannt, doch nicht gebannt

Von Thorsten Hansen.

Wir alle wissen, dass Facebook über uns Daten sammelt. Obwohl viele das vielleicht erstmal nicht so gut finden, nutzen sie dennoch weiterhin Facebook. Den Widerspruch löst man auf indem man sich beruhigt: Was habe ich denn zu verbergen, was kann Facebook denn mit meinen Daten schon groß anfangen?

Es geht hier nicht nur um Facebook. Facebook ist vielmehr nur ein Stellvertreter für die große Anzahl von Unternehmen, wie z. B. amazon, Apple, ebay, google, WhatApp, u.a., die über uns Daten sammeln und durch streaming data statistics in dem Augenblick auswerten und verknüpfen, in dem wir sie eingeben. Dies geschieht sogar auch dann wenn wir die Eingabe wieder löschen und meinen sie gar nicht „veröffentlicht” zu haben. Natürlich fällt uns auf, das wir zufälligerweise immer wieder die Werbung für eine Sporthose auf allen möglichen Seiten sehen, wenn wir einmal danach gegoogelt haben. Aber diese Manipulation ist so offensichtlich dass wir sie meistens sofort erkennen.

Die Gefahr ist eine andere:

Noch nie in der Geschichte der Menschheit wurden so viele Daten über so viele Menschen gesammelt, gespeichert, verknüpft und ausgewertet. Diese Auswertung geschieht automatisch, durch Computerprogramme. In Zukunft werden diese Programme ohne weiteres menschliche Eingriffsmöglichkeit Entscheidungen treffen, die schon heute in unser Leben massiv eingreifen: Ein Kredit wird z.B. nicht bewilligt, weil ich in einem Stadtteil lebe, in dem viele Arbeitslose leben. Das Ausmaß, in dem zukünftig Daten verknüpft und ausgewertete werden, kann keiner absehen, nicht einmal Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg himself. Schon heute wird mein Kreditantrag abgelehnt, ohne dass ich die kleinste Chance hätte, die wahren Gründe zu erfahren. Morgen wird mir vielleicht mein Recht zu wählen entzogen, weil ich gewisse Kriterien nicht erfülle.

Man muss keine ausgewiesener Verschwörungstheoretiker sein, um dieses Szenario unheimlich zu finden. Hier heißt es wachsam zu bleiben. Daten, die vor wenigen Jahrzehnten in der Volksbefragung dem Staat nur widerwillig gegeben wurden, werden heute in viel größerem Umfang Privatleuten anvertraut, die keine Regel unterworfen sind. Gesetz bestehen zwar, können aber die neuen Gefahr nicht bannen. Weder umfassen die Gesetze die Strukturen, die neu entstehen und die damit verbundenen neuen Manipulationsmöglichkeiten, noch wäre das know how und die Bereitschaft und das Personal da, die Einhaltung dieser hypothetischen Gesetze zu kontrollieren.

Was können wir machen? Eine Möglichkeit wäre vielleicht im Sinne der englischen Weisheit “There is no such thing as a free t-shirt” uns daran zu erinnern dass wir auf die eine oder andere Weise immer für scheinbar kostenlose Dinge bezahlen, vielleicht sogar auf eine Weise, die wir nicht wollen. Anstatt dass wir uns in einer naiven „Geiz ist geil”-Mentalität an den vielen Dinge freuen, die wir scheinbar kostenlos nutzen können, wieder den guten alten Brauch pflegen, für Leistung direkt zu bezahlen.

Das mindeste was wir tun können ist, uns dieser Gefahr bewusst zu sein, vielleicht eingedenk der Heideggerschen Sentenz in seinem Aufsatz Die Technik und die Kehre: „Da wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch.”

Yogi Bhajan hat in diesem Zusammenhang auf das nötige „innere Internet” verwiesen, das das äußere Internet ausbalancieren muss. Gemeint ist damit eine umfassende Intuition, die zum Rausch der Technik eine natürliche Barriere bildet.