Kriege im Vorfeld verhindern?

Von Sangeet Singh am .

Haben wir das Potential, aus einem dem Kreislauf von Gewalt auszusteigen? Mit Yoga-Techniken kann das Fundament gelegt werden, um Frieden und Freiheit zu stärken, die eigentliche Entscheidung für einen Konflikt bleibt dabei aber unberührt. Viele Menschen glauben, sie könnten mit Gebet oder Meditation mäßigenden Einfluss ausüben, aber das scheint mir eine Illusion zu sein. Einfluss ist ohne Zweifel möglich, aber er beschränkt sich auf das, was ein Mensch gewillt ist zu verändern. Seine inneren Überzeugungen und Werte bleiben davon unberührt. Und diese sind bei den akuten Konflikten zwischen gesellschaftlichen Gruppen oder Staaten sehr unterschiedlich.


Wie an verschiedenen Stellen beschrieben sind diese Werte im 6. energetischen Körper des Menschen gespeichert, in der Bogenlinie.

Gleichzeitig sind diese Werte der Sitz des mentalen Immunsystems, das in besonderer Weise unseren Schutz genießt. Nur wenn andere Menschen sich für uns opfern, lassen wir uns darauf ein, hier etwas zu Verändern. Dieses freiwillige Opfer für andere wurde von einigen großen Persönlichkeiten praktiziert, Jesus und Gandhi sind zwei der bekanntesten Beispiele dafür. Ihre Taten haben den Lauf der Geschichte verändert. Der Akt des Opfers war dabei der Auslöser, um Menschen zu, einlenken zu bewegen.

Auch Staaten haben eine Bogenlinie, in Form von kollektiven Werten. Wenn sich diese Werte unversöhnlich gegenüber stehen, kommt es mitunter zum Konflikt. Der Konflikt selber ist nicht das Problem, er ist möglicherweise notwendig. Das Problem ist der Hass, der entsteht, wenn jemand sich nicht verändern will, wenn er nicht bereit ist zu leiden – denn Leid ist ein Teil des Prozesses. Aus Hass wird Gewalt, und die Gewalt erzeugt Angst. Die Angst stoppt den Prozess. Wenn es soweit gekommen ist, dann ist Gegengewalt unausweichlich. Ein konstruktiver Umgang mit dem Konflikt muss also früher ansetzen, bevor die Gewalt eskaliert.

Neben den vielfältigen Methoden und Ansätzen der Zivilen Konfliktbearbeitung als Alternative zu letztlich militärgestützter Politik gibt es eine Alternative, die zunächst dem Schutzes der Zivilbevölkerung dient: Die gewaltfreie Intervention. Die Intervention durch Drittparteien, auch als ziviles Peacekeeping bezeichnet, erfolgt entgegen der humanitären Intervention durch nichtstaatliche Akteure. Diese setzten dabei auf gewaltfreie Methoden wie schützende Begleitung (Accompaniment), gewaltfreies Dazwischentreten (Interpositioning), Monitoring und schützende Präsenz (Presence). Die Intervention erfolgt dabei auf Einladung ziviler im Konfliktgebiet befindlicher Akteure (Wikipedia.de: Gewaltfreie Intervention).

Das interessante ist, dass eine solche Intervention auch einen im entstehen begriffenen militärischen Konflikt zwischen zwei unterschiedlichen Weltanschauungen positiv beeinflussen könnte, wenn der Austausch der Zivilgesellschaft eine große Intensität erreicht.

„Ziviles Peacekeeping basiert auf der aktiven Präsenz von ZivilistInnen in einem Konfliktgebiet. Es ist gewöhnlich multi-dimensional und verbindet Aktivitäten, die direkt der Gewaltprävention dienen, mit solchen, bei denen es darum geht, Konfliktparteien zusammenzubringen und die Fähigkeit lokaler Gemeinschaften zu stärken, Gewalteskalationen zu widerstehen.
Viele Menschen finden es schwer zu verstehen, was unbewaffnete PeacekeeperInnen in einem gewaltsamen Umfeld erreichen können. Wir sind daran gewöhnt, zu denken, dass Gewalt das einzige Mittel für Schutz sei. Es ist wahr, dass unbewaffnete ZivilistInnen keine Instrumente haben, etwas direkt zu erzwingen – sie können Angreifer nicht töten, durch Schüsse stoppen oder durch Gewaltandrohung abschrecken, was militärische Peacekeeper, unter Anrufung von Kapitel VII der UN-Charta entsandt, heute gewöhnlich dürfen und wofür sie ausgerüstet sind. Unbewaffnete PeacekeeperInnen haben jedoch ihre eigenen Quellen von Macht:
Zum einen sind sie – zumindest bis zu einem gewissen Grad, der von Ort zu Ort unterschiedlich sein mag – begrenzt gegen Gewalt geschützt, weil entweder sie besonderen Respekt erfahren oder weil die Länder oder Organisationen, die sie repräsentieren, diesen Respekt genießen. Die Tatsache, dass sie selbst (relativ) sicher sind, überträgt sich dann auf diejenigen, die sie begleiten, da ein potenzieller Angreifer riskieren würde, diese Internationalen zu verletzen oder zu töten.
Wichtig ist zum zweiten, dass es den PeacekeeperInnen gelingt, vertrauensvolle Beziehungen zu allen Konfliktparteien und zu den Menschen vor Ort aufzubauen, um wirksam zu sein. Vorbedingung dafür sind Unparteilichkeit und Unabhängigkeit von staatlichen oder anderen Partikularinteressen, seien diese ökonomischer, missionarischer oder politischer Art.
Zum dritten riskiert dieser potentielle Angreifer, dass die Internationalen die Untat der Welt berichten, was zu direkten oder indirekten Folgen für den Angreifer führen kann. Die den Angreifer unterstützenden Kräfte könnten Druck auf ihn ausüben, weil sie selbst verwundbar gegenüber internationalem Verlust an Ansehen oder Sanktionen sind. “Die Welt schaut zu” ist schon oft ein mächtiger Abwehrfaktor gewesen“ ( Informationsblätter des Bund für Soziale Verteidigung „Menschen schützen ohne Gewalt“)

Die oben beschriebene Unabhängigkeit lässt sich auch mit „Neutralität“ beschreiben, einer inneren Haltung, die durch die Praxis von Yoga eine tiefe Basis bekommt. Diese meditative Neutralität könnte den Grundstock bilden, der ein gegenseitiges Verständnis in einer zunächst auf Abwehr und Ablehnung eingestelltem Umfeld ermöglichen kann.

Die Präsenz vor Ort kann, wenn sie massenhaft erfolgt, einem Konflikt die Basis nehmen. Was würde z.B. passieren, wenn die Menschen im Gazastreifen beim nächsten militärischen Konflikt mit Israel den Gazastreifen als Massenbewegung verlassen und sich in die israelischen Städte begeben? Und wenn im Gegenzug die Israelis in den Gazastreifen aufbrechen um damit das Bomben beenden? Eine solche Tat würde viele Opfer fordern, aber möglicherweise weniger, als der zu verhindernde militärische Konflikt. Und es würde Hoffnung bestehen, für einen dauerhaften Frieden.

Der militärische Konflikt in der Ostukraine ist in seinem Ursprung ein Werte- und Interessenkonflikt zwischen Russland und der EU. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass viele FriedensarbeiterInnen aus der EU in nach Russland gehen, um mit den Menschen dort über Werte und die gemeinsame Zukunft zu diskutieren? Und umgekehrt Russen in den Westen einladen?

Um den Mut und die Kraft für einen solches Opfer aufzubringen, sind Yoga und Meditationstechniken hilfreich.  Das System der Selbstwahrnehmung bzw. das Self Sensory System sorgt dafür, dass man selber neutral bleibt und sich dabei nicht von irgendeiner Form von Propaganda einfangen lässt.