Kundalini Yoga: Die Kunst und Wissenschaft der Befreiung

Von Yogi Bhajan.

Was ist ein befreites Wesen? Warum leiden wir unter dem Diktat der Zeit?

Jeder Mensch hat zwei Seiten. Eine ist die sorgenfreie, unbeschwerte Seite, die andere ist sorglose, leichtsinnige Seite. Lebt man die sorgenfreie Seit aus, dann wird man von seinen göttlichen Fähigkeiten geleitet. Lebt man die sorglose Seite aus, dann unterliegt man seinen tierischen Zwängen. Wobei es nicht um Nachlässigkeit geht, mit der man ein Glas zerbricht oder versehentlich etwa wegwirft, das man behalten wollte. Auf stofflicher Ebene hält man uns für sorglos, wenn wir unfähig sind, unseren wichtigsten materiellen Verpflichtungen nachzukommen.

 

Tatsächlich sind wir aber dann wahrhaft leichtsinnig, wenn wir unser göttliches Wesen verlieren – wenn dieses „Etwas“, das so kostbar und jenseits aller Bewertung ist, einfach nur durch eine Laune oder aus Leidenschaft verloren geht.

Durch die Betonung von Gefühl und Leidenschaft verkaufen wir unsere spirituelle Persönlichkeit. Denkst du genau darüber nach, wirst du erkennen, dass dies ein schlechter Handel ist. Wozu machen wir Geschäfte mit unserem spirituellen Selbst? Die Welt, in der wir leben, ist eine vorübergehende Phase des Lebens. Sie ist nicht ewig, aber wir verbinden uns mit ihr, als gehörten wir zu ihr und sie zu uns.

Unbewusst verbirgt sich hinter jeder Handlung das Verlangen, anerkannt zu werden. Stufst Du jedoch Dein Verlangen nach Wertschätzung ein und betrachtest die Art deiner Versuch, sie zu bekommen, wirst du herausfinden, dass Du Dir Anerkennung ohne innere Reife wünscht. Du willst als mündiges Wesen akzeptiert werden, aber die reife Haltung eines sorgenfreien Wesens hast Du nicht entwickelt.

Das einzige sorgenfreie, unbeschwerte Wesen ist eine Person ohne Negativität. Sie ist Befreit. Es ist ein kosmisches Gesetz, dass solch ein Mensch nie Mangel leidet. Ein sorgenfreier Mensch kennt keine Not. Er mag demütig sein, aber das bedeutet nicht, dass es ihm schlecht geht. Immer weide geht er ungestört durch die Zeit. Er braucht keine Zurechtweisung durch das Diktat der Zeit. Sein sanftmütiges Verhalten und die Gelassenheit der Persönlichkeit zeigen, dass er ein befreites Wesen ist. Auch in einer Nussschale ist er der glücklichste Mensch auf Erden.

Das heißt nicht, dass du vom Besitz weltlicher Güter ausgeschlossen sein sollst. Materie ist ein Medium. Sie kann weder erschaffen noch zerstört werden. Ähnlich sind auch Gefühle und Verstrickungen in Begierde ein Medium, aber ihre Befriedigung ist vorübergehend, nicht immer während.

Wenn du begreifst, wie Alkoholabhängigkeit beginnt, wirst Du diese Theorie der Verstrickung verstehen. Es funktioniert so:

Ein Mann, der keinen Alkohol trinkt, kommt unter Druck und weiß nicht, was er tun soll. Er besucht einen Freund, um Trost zu finden, denn der Mensch ist ein soziales Tier und wenn er jemanden kennt, der an seinem Kummer teilnimmt, fühlt er sich erleichtert. Wegen der besänftigenden Wirkung bietet ihm der Freund Whisky an, und der Mann lässt sich überreden, einen Drink zu nehmen. Also fließt der Alkohol in den Körper und erledigt seine chemische Arbeit. Die Nerven werden beruhigt und die Energiezentren gestärkt, so dass sich der Mann innerlich entspannt und seine Haltung lockerer wird. Es ist nur eine vorübergehende Entlastung, aber die Erinnerung an diese erste Kostprobe bleibt im Kopf hängen. Das entspannende Gefühl dieses ersten Schluckes wird der Mann nie wieder erzeugen können, aber aus Gier nach dem ersten Mal und um das Erlebnis zu wiederholen, werden viele Menschen zu Gewohnheitstrinkern – Alkoholikern. Sie glauben, der beste Weg, dem Druck des Lebens zu entfliehen, ist das Weitertrinken, und so entsteht durch das Trinken ein körperliches Bedürfnis.

Ähnliches passiert immer dann, wenn Du Dich in irgendeinen Trend des Lebens hineinziehen lässt. Da begibst Dich auf einen Weg, dem Du weiter und weiter folgst, wodurch die Rückkehr zu Deinem ursprünglichen Ausgangspunkt unmöglich wird. Wir werden Sklaven, wenn wir unsere ursprüngliche Handlungsbasis vergessen und uns in unser Tun verstricken.

In unserem ganzen Lebenskonzept ist erkennbar, dass wir zu 15 % Sklaven einer Routine sind – unserer Gewohnheiten. Der Mensch braucht bestimmte Gewohnheiten zur Lebensbewältigung. Indem er jedoch den Charakter dieses Minimums erforderlicher Gewohnheiten ändert, kann er Befreiung erreichen.

Es gibt zwei Arten von Gewohnheiten: unterstützende, gute Gewohnheiten und schwächende, schlechte Gewohnheiten. Schwächende Gewohnheiten machen dich körperlich, geistig und spirituell unglücklich. Aufbauende Gewohnheiten machen dich körperlich, geistig und spirituell glücklich. Wenn Du in Deinem Leben nur den positiven Gewohnheiten folgst, wirst Du Deine Tage als befreite, göttliche Person beschließen. Mit schwächenden Gewohnheiten endest Du immer als physisches Wrack, mental verrückt und spirituell erloschen.

Gewohnheit ist ein Muss für Deine Persönlichkeit und Deinen Geist. Handelst Du unter dem Einfluss schwächender Gewohnheiten, dann verhälst Du Dich in dem Moment wie eine vollkommen negative Persönlichkeit.

Außerdem ist es eine Tatsache, dass du, wenn Du in irgendeine schlechte Gewohnheit verfällst, ihre vier anderen Geschwister einlädst, denn schlechte Gewohnheiten lieben das Zusammensein. Diese fünf schwächenden Gewohnheiten in Verhalten und Einstellung sind: Gier, Zorn, Lüsternheit, Anhaftung und Hochmut. Wenn eine der Schwestern das Haus betritt, ruft sie die anderen hinzu. Jede Gewohnheit wird auf zwei Ebenen durch drei Aspekte gefördert: 1. Ebene: körperlich, mental, spirituell. 2. Ebene: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.

Der Mensch hat zwei Leitinstinkte. Entweder er verbessert seine Zukunft oder er blockiert sie. Wenn Du Dir darüber bewusst bist und den aufrichtigen, ehrlichen Drang hast, Deine Zukunft positiv zu gestalten, dann wirst Du Dir unterstützende, konstruktive Gewohnheiten aneignen. Wenn Du Dich schon nicht um Gott kümmerst, dann kümmere Dich wenigstens um deine Zukunft. Wenn Dir die Zukunft so wichtig wird, dass Du gute Gewohnheiten annimmst, wirst Du zu einer befreiten Persönlichkeit. Eine befreite Persönlichkeit ist immer eine glückliche Person. Ihr mangelt es an keiner materiellen Annehmlichkeit. Keine Macht der Welt kann sie beleidigen. Anmutig lebt sie in dieser Welt und wird nach dem Verlassen des Körpers von nachfolgenden Generationen respektvoll erinnert.

Jeder Mensch kann so sein. Wer gestern noch der größte Sünder war, kann in dieser Minute heilig werden. Die einzige Notwendigkeit ist eine Entscheidung: „Will ich meine Zukunft retten und entscheide mich, eine befreite Person zu sein“, oder. „Will ich mir die Zukunft verbauen, indem ich den materiellen, physischen Aspekt der Welt vorziehe?“

Jeder Mensch, der sich die Zukunft versperrt, wird daraufhin mit Sicherheit leiden. Jeder Mensch, der dem Jetzt den Vorzug gibt, lädt die Sorgen der Zukunft ein.

Bewahre 40 Tage lang eine positive innere Haltung mit aufbauenden Gewohnheiten und Du änderst dein Schicksal. Dieses psychologische Konzept menschlichen Verhaltens ist eine Art Muster, das Dich zu dem Ziel führen kann, welches in unseren Schriften als Paradies bezeichnet wird. Man muss im Selbst den Samen der göttlichen Schwingung säen und mit der Macht dieser Schwingungen im Höchsten begründet sein, was eine Wahrheit ist, eine Realität und eine ewig lebende Urkraft. Diese Urkraft wurde von den Christen „Gott“ genannt; „Paramatman“ von den Hindus und „Allah“ von den Moslems. Alle haben ihr irgendeinen Namen gegeben, aber das allumfassende Bewusstsein der allumfassenden Energie hat einen Namen, der „Wahrheit“ ist, also nennen wir es „Sat“ und erinnern und daran als „Sat Nam“. Auf Sanskrit, der heiligen Sprache Gottes, bedeutet „Sat“ Wahrheit und „Nam“ Name. Also können wir zweifelsfrei sagen, das allumfassende Bewusstsein, der allumfassende Geist, die Schöpfungskraft in uns, hat einen universellen Namen und der ist „Sat Nam“.

All diejenigen, die sich selbst befreien wollen und danach suchen, im Höchsten zu leben, müssen ihr physisches Selbst reinigen und ihr mentales Wesen in Richtung Sat Nam leiten, dem Wesen der Wesen.

Jemand, der in der ersten Stunden des Tages, noch vor der Dämmerung, wenn die Schwingungskanäle sehr rein und klar sind, auf der Schwingung dieses heiligen Namens verweilt, wird das Konzept eines befreiten Wesens durch die Anmut des Bijmantras erkennen, welches die Göttin des Bewusstseins in einem jeden Wesen erweckt. Dann lebt dieser Mensch befreit auf dem Planeten Erde.

 

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Basistext: Selbstwahrnehmung

selbstwahrnehmungDas Selbstwahrnehmungs-System nach Yogi Bhajan

Einführung: am Vorabend einer neuen Wahrnehmungsfähigkeit
1. Vorannahmen und Intention
2. Die unbegrenzte Wahrnehmungsfähigkeit
3. Der Druck steigt und bringt das Zwielicht zum leuchten
4. Wie entsteht das Selbstwahrnehmungs-System
5. Die Wirkung des Selbstwahrnehmungs-Systems

Meditation 1: Verbinde dich mit dem Wahrnehmungssystem
Meditation 2: Durchbreche die Trance des Fische-Zeitalters
Yoga-Übungsreihe:
Selbstkontrolle durch entfaltete Feinfühligkeit

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