Das Zusammenspiel der Gehirnhälften

Von Sangeet Singh.

Die rechte und linke Hemisphäre des menschlichen Körpers wird laut Yogi Bhajan in eine eher männliche Sonnen- und eine weibliche Mondseite geteilt. Dies ist ein zentraler Punkt im Kundalini Yoga, auf den viele Meditationen und Übungsreihen basieren.
Der Sonnen und Mondqualitäten lassen sich spezifische Inhalte zuordnen, die sich ergänzen oder auch gegenseitig ausschließen. Daraus ergeben sich vitalisierende Polaritäten, die z.b. in der Beziehung zwischen den Geschlechtern ihren Ausdruck finden.
Gesteuert werden diese Hemisphären von den zwei Gehirnhälften, die – wie inzwischen erforscht ist - tatsächlich vollkommen unterschiedlich arbeiten.


Im Jahre 1996 hatte die Neurologin und Gehirnforscherin Jill Bolte Taylor einen Schlaganfall, der fast ihre komplette linke Gehirnhälfte außer Gefecht setzte. Im Zuge ihrer fast neunjährigen Genesung konnte sie ziemlich deutlich beschreiben, wie sich das Leben mit einer dominierenden rechten Gehirnhälfte anfühlt. Daraus leitete sie eine Reihe von Erkenntnissen ab.

Unsere rechte Gehirnhälfte, die die linke Hemisphäre unseres Körpers kontrolliert, erfasst alles über den gegenwärtigen Moment - eine gewaltige Kollage über das Hier und Jetzt. Sie denkt in Bildern und lernt durch die Fähigkeit, Lage und Bewegungsrichtung von Körperteilen zueinander und in Bezug zur Umwelt zu reflektieren. Erfahrungen während der Yogastunde werden hier verarbeitet.
Taylor erkannte sich unmittelbar nach den Schlaganfall als energetisches Wesen, verbunden mit all der Energie um sie herum, weil nur noch ihre rechte Gehirnhälfte funktionierte..
Sie schreibt: „Zuerst war ich erschüttert, mich im Inneren eines stillen Geistes wiederzufinden. Aber ich war sofort gefesselt von der Großartigkeit der Energien um mich herum. Weil ich mich nicht länger identifizierte mit den Grenzen meines Körpers, fühlte ich mich riesig und ausdehnend. Dann kam plötzlich meine linke Hemisphäre wieder online und sagte 'Hey! Wir haben ein Problem! Wir brauchen Hilfe!'. Aber sofort ließ ich mich zurücktreiben in die Bewusstheit und es war schön dort. Stellen Sie sich vor, wie es wäre, völlig abgetrennt von dem Hirn-Geplapper zu sein, dass Sie mit der äußeren Welt verbindet. Stellen Sie sich vor, wie es ist, wenn Sie 37 Jahren an emotionalem Gepäck verlieren. Ich fühlte Euphorie - es war wunderbar.“

Die linke Gehirnhälfte ist ganz anders. Sie denkt linear und methodisch. Sie ist damit beschäftigt, Informationen zu kategorisieren und zu organisieren. Sie bringt in Verbindung, was wir in der Vergangenheit gelernt haben und setzt dies in einen Bezug zur Zukunft. Die linke Gehirnhälfte erschafft sich aus diesen Informationen ein einzelnes, festes Individuum, getrennt von dem energetischen Fluss um uns herum.

In dem 2016 erschienenen Buch von Yuval Noah Harari, Homo Deus, geht er auf viele interessante Aspekte der Gehirnforschung ein. In einem der letzten Kapitel erwähnt er Forschungen über die Gehirnhälften aus den 60ger Jahren. Damals wurde in einigen Fällen Epilepsie dadurch behandelt, dass die Verbindungsstränge zwischen den Gehirnhälften durchtrennt wurden. Dies ermöglichte der Forschung eine Reihe von neuen Erkenntnissen über die unterschiedliche Funktionsweise der beiden Gehirnhälften.
So wurde u.a. nachgewiesen, dass das sogenannte „Erinnernde Selbst“, dass unsere Identität ausmacht, in der linke Gehirnhälfte liegt.
Dem gegenüber liegt das „Erlebende Selbst“ in der rechten Gehirnhälfte. In dieser werden allerdings kurioserweise keine Erinnerungen abgespeichert.

Wenn du aktuellen Erlebnisse, die von der rechten Gehirnhälfte verarbeitet werden, nicht mit den Erinnerungen der linke Gehirnhälfte kompatibel sind, kommt es zu einem Konflikt zwischen den Hemisphären.
Üblicherweise setzt sich in diesem Fall die linke Gehirnhälfte durch und phantasiert sich die Welt so zurecht, dass es irgendwie passt. Dadurch werden die Bewegungen des Bewusstseins mechanisiert. Wir folgen dann den Mustern der Vergangenheit, ohne dass eine Entwicklung passiert.

Ein solches Verhalten entspricht der Arbeitsweise digitaler Systeme. Ein Computer arbeitet auf der Grundlage von Algorithmen, also von vorgefertigten Programmierungen. Künstliche Intelligenz geht noch einen Schritt weiter und erstellt eigene Algorithmen, nach denen sie arbeitet. Die Hirnforschung behauptet, dass das Ego und menschliche Gefühle ebenfalls von Algorithmen gesteuert werden. Wenn das stimmt, gäbe es eigentlich keinen Unterschied zwischen dem digitalen ich des intelligenten Computers und dem dem Ego des Menschen.
Allerdings kann das menschliche Bewusstsein etwas, was Computer nicht können. Es speichert Informationen in gewöhnliche Materie wie z.B. Körpergewebe ein und liest die Informationen wieder aus.
Da dies unmittelbar und in Interaktion mit anderen Personen passiert, ist das dadurch entstehende Netzwerk unendlich viel komplexer als ein mechanischer Vorgang auf Basis eines Algorithmus sein kann.

Die Aufgabe der linken Gehirnhälfte erscheint klar. Sie kreiert das Ich und die Identität aus Erinnerungen. Was aber ist die Aufgabe der rechten Gehirnhälfte? Erinnern tut sie sich an nichts. Wozu ist sie nütze?
Als Yogis wissen wir, welche Macht das menschliche Bewusstsein hat. Es kann Informationen im Körpergewebe und in Materie speichern. Wenn wir Kundalini Yoga machen, nutzen wir diese Möglichkeit, um uns von Blockaden und Anhaftungen aus der Vergangenheit zu befreien.
Es ist naheliegend, diese Fähigkeit in der rechten Gehirnhälfte zu vermuten, die unmittelbare Erfahrungen verarbeitet indem sie in Materie entsprechende Meme einprägt.
Die linke Gehirnhälfte wäre demnach dafür zuständig, die Meme aus der Materie auszulesen und aus diesen Informationen die eigene Identität zu formen.

Somit erschaffen wir über die rechte Gehirnhälfte die Realität, die über unsere linke Gehirnhälfte unsere Identität prägt.

Im von Yogi Bhajan beschriebenen Self Sensory System versetzen wir uns in die Lage, in der rechten Gehirnhälfte zu verweilen und identifizieren uns nicht länger mit den Erinnerungen der linken Gehirnhälfte. Wir nehmen dann den Fluss des unmittelbaren Augenblicks ohne den störenden Einfluss der Vergangenheit wahr.
Unser Ich empfindet sich als ein Produkt des unmittelbaren Erlebens und benötigt in diesem Stadium keine Ablenkung oder Stimulierung von Außen mehr. Erinnerungen und Identität bleibt präsent, sind aber nun lediglich ein Werkzeug, das für die Interaktion mit anderen zur Verfügung steht.
Dies ist ein Zustand großer mentaler Freiheit. Diese innere Freiheit hat positive Auswirkungen auf die Vitalität des Körpers. Verhärtungen im Gewebe, die Krankheiten auslösen, können leichter losgelassen werden.
Da die Meme mit der rechten Gehirnhälfte erzeugt werden, können sie besser losgelassen werden, wenn diese Hemisphäre aktiv und präsent ist, und nicht von der linken Gehirnhälfte kontrolliert oder unterdrückt wird. Die Identifikation mit der Identität verhinderte zuvor, das alte Meme losgelassen und neue erzeugt werden können.

Digitale Systeme können keine Meme erzeugen. Sie machen das Leben effektiver, aber sie sind abgeschnitten von dem Netzwerk, das alles Lebendige verbindet.
Die Erfahrung des Individuums erzeugt mit Hilfe der Meme dieses Netzwerk, dass anderen Personen oder nachfolgenden Generation als Orientierung und mentale Grundlage dient. Dieses unsichtbare Netzwerk ist die Basis unserer Kultur.
Digitale Strukturen können das nicht ersetzten.

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