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Die
Evolution einer globalen Gemeinschaft
von Shiv Charan
Singh
Dieser
Artikel beschreibt die vier Stufen der Gemeinschaftsbildung
und ist inspiriert durch das Leben der 10 Sikh-Gurus und ihr
Wirken, dass durch den Siri Guru Grant Sahib(das
Heilige Buch der Sikhs, der 11. Guru) repräsentiert
wird.
Die Qualität
unseres Lebens hat viel mit der Qualität der Beziehungen
zu tun, die wir zu den Menschen in unserer Umgebung haben.
Wir werden durch die Menschen, denen wir begegnen und mit
denen wir in einen Austausch treten, verändert. Diese
Zeit in der wir Leben ist eine Zeit, die große Veränderungen
in unseren Beziehungen zu anderen Menschen erfordert. Der
Tempel des Wassermannzeitalters ist
kein stoffliches Bauwerk sondern die Gemeinschaft (Sangat);
die Brücke zwischen dem Individuellen und dem Universellen.
Guru Nanak (1. Guru) initiierte die Entwicklung einer
globalen Gemeinschaft, indem er die Menschen dazu aufrief,
Anhänger der Wahrheit zu werden (Sikh).
Eine wahre globale Gemeinschaft wird aus dem Konzept der Einheit
geboren; alles ist eins, also bin ich der andere;
dies ist das selbe, wie wenn wir sagen, dass das Göttliche
das Bewusstsein des "wir" ist. Also beginnt die
erste Zeile des Sri Guru Grant Sahib mit der Nummer 1 und
der Feststellung der Einheit Gottes und seine alles durchdringende
Präsenz.(Ek Ongkar)
Individuen
sind die Ziegelsteine
Eine Gemeinschaft besteht aus Individuen. Jeder ist ein Eckstein
davon. Jeder hat den gleichen Wert. Das niemand wichtiger
ist als der andere entwertet nicht den Einzelnen, sondern
erkennt und respektiert alles und bezieht alles mit ein. Wir
suchen nach einem Ort auf der Welt, wo wir uns wertvoll fühlen
können, wo wir so angenommen werden wie wir sind. Wir
benötigen eine uns akzeptierende Umgebung, die nicht
über uns urteilt, damit wir unsere Scham vor uns selber
ablegen und mit anderen ein neues Morgen aufbauen können.
Aber unabhängig von der Meinung anderer Menschen über
uns sind wir nur dann eine wirkliche Gemeinschaft, wenn wir
genug eigenes Selbstvertrauen haben. Unsere freiwillige und
eigenständige Entscheidung, Teil einer Gemeinschaft zu
sein ist das Juwel, dass das Individuum dazu bemächtigt,
seinen Platz als Pfeiler im Tempel der menschlichen Gemeinschaft
einzunehmen.
.
Guru Nanak nahm für sich in Anspruch, lediglich der Staub
unter den Füßen aller Menschen zu sein. Gemeinsam
mit Guru Angad (2. Guru) und Guru Amardas (3. Guru)
hob er hervor, dass der erste Schritt zum Aufbau einer Gemeinschaft
aus Taten und Handlungen besteht, wie die Schaffung von kommunalen
Küchen (Lungar), die Bildung der Kinder, Förderung
und Ehrung von Frauen und das Baden und Bekleiden der Armen
und Unberührbaren. Sie wollten den Einzelnen ein Gefühl
der Zugehörigkeit vermitteln. Der Dienst, den sie anboten
war darauf ausgerichtet, in jedem einzelnen genug Selbstakzeptanz
auszulösen, damit es den einzelnen möglich war,
aus den persönlichen Begrenzungen herauszutreten und
sich dem Kollektiv zuzuwenden.
Viele
Federn werden zu Schwingen
Unsere Menschlichkeit ist eine nach innen gerichtete Identifikation
mit der Würde der eignen Seele, das versteckte Licht
Gottes, das konstante Liebe für alle verstreut. Dies
ist der Sinn des WIR-IN-MIR. Menschliche Gemeinschaft entsteht
aus dem Wissen über die Schmerzen und die Liebe, die
sich in jedem einsamen Herzen rühren. Wenn wir in wahrer
Gemeinschaft mit anderen zusammen sitzen; können wir
unsere eigenen Realität überprüfen, indem wir
allen Zweifel darüber aufgeben, dass der andere sich
anderes anfühlt als wir selber. Durch diese direkte und
innere Erkenntnis entsteht der spontane Wunsch, anderen zu
dienen. Es weckt den Wunsch nach Großzügigkeit
und es ruft Dankbarkeit hervor. Dies ist die Qualität
von Guru Ramdas (4. Guru), der für sein selbstloses
Dienen bekannt ist.
Wahre Gemeinschaft fördert durch ihre Achtsamkeit das
Andenken an höhere Qualitäten.
Spirituelle Gemeinschaften vertrauen auf die Natur der Gerechtigkeit.
Wenn ein Konflikt entsteht gibt es die Vereinbarung, mit Geduld
um das Bewusstsein zu kämpfen; um es aus den Gefängnis
von Unklarheit und Beliebigkeit zu befreien. Dieser Kampf
ist nie gegen etwas gerichtet. Auf diese Art hat Guru HarGobind
(6. Guru) viele aus ihren falschen Gefängnissen
befreit.
Der Transformationsprozess einer menschlichen Gemeinschaft
besteht darin, dass wir zuerst unsere gute Gesellschaft suchen,
durch die wir eine Gegenwärtigkeit erfahren, die andere
dazu bringt ihr vergessenes Vertrauen in die eigene Seele
wieder zu entdecken. In so einer Gesellschaft werden wir getragen
und teilen die Liebe, die andere über den Ozean dieser
Welt trägt. Es ist wie ein Vogelschwarm, bei dem sich
die Vögel mit dem Windschatten abwechseln. Der einzelne
Vogel ist wie eine Feder hilflos der Gnade der Elemente ausgeliefert.
Zusammen haben sie die Stufe des "WIR" erreicht.
Das Kollektiv ist ein Flügelpaar, dass nicht auf den
Wind warten muss. WIR erzeugen selber den Wind, UNSERE Präsenz
produziert einen Sturm des Erwachens. Durch das Zusammensein
in Liebe für die Größe in allem atmen wir
den selben Atem, den Atem der Erinnerung und des Andenkens,
den Atem der Wahrheit.
Das gleiche Lied zu singen erzeugt eine Harmonie, die alle
unsere Ängste fortnimmt und wie ein Schwanenschwarm die
Angst des anderen in ein Wundern verwandelt. Guru Arjun (5.
Guru) gab sein Leben, um uns diese Lieder zu bringen.
Globale
Beeinflussung
Eine globale Gemeinschaft hat globalen Einfluss. Dieser besteht
weder durch Unterdrückung oder Bekämpfung anderer
noch durch Missionierungseifer oder Landnahme und territoriale
Erweiterung.
Die Mitglieder einer solchen Gemeinschaft leben im Angesicht
der Erkenntnis das Gott in Allem ist. Eine solche Gemeinschaft
erschafft keine Kultur der Sünde, Schuld und Bestrafung.
Um den Pfad der Rache zu verlassen, wird eine ungewöhnliche
Reaktion nötig. Es ist ein Verständnis und ein Verzeihen,
dass über die eigentliche Erkenntnis hinaus geht. Hier
ist uns Guru HarRai (7. Guru) ein Beispiel, der dem
Eroberer vergab und seinen Sohn heilte, obwohl der Guru vor
ihm von eben dieser Person bekämpft wurde.
Eine solche Gemeinschaft handelt mit Mitgefühl; erkennen,
wes dem anderen fehlt und alles was nötig ist tun, damit
es den anderen gut geht. In der Reinheit des Bewusstseins
wissen wir, dass eine einzige Träne der Bedürftigkeit
denselben Geschmack hat, wie der gesamte Ozean des menschlichen
Leidens. Deshalb haben Guru HarKrishan (8. Guru) und
Guru TegBahadur (9. Guru) ihr Leben in den Dienst eines
uneingeschränkten Mitgefühls gestellt, dass heute
noch den Planeten reinigt, und auch noch in Tausenden von
Jahren noch Bedeutung haben wird.
Jeder, der seine Aufmerksamkeit auf diese Beispiele menschlichen
Lebens richtet und von der unendlichen Quelle der spirituellen
Weisheit trinkt, die von den Gurus nieder geschrieben wurde,
kann nicht verhindern das er Teil einer globalen Gemeinschaft
wird. Dieser Spirit wird GuruMukh genannt. Er entstammt aus
dem Frieden und erinnert einen überall an die Samen der
Tugend und Solidarität.
Gemeinschaft
jenseits der Gemeinschaft
Das Paradoxe an der Gemeinschaft ist, dass wir nur dann wirklich
an der globalen Gemeinschaft teilhaben können, wenn wir
die kleine Welt in den einzelnen Gruppen erweitern. Dadurch,
dass wir uns von jeglicher Ausrichtung befreien, erreichen
wir die Ausrichtung auf alles. Unsere Aufmerksamkeit gilt
demjenigen, der das Spiel gemacht hat und nicht dem Spiel
selber, demjenigen, der die Geschenke gibt und nicht den Geschenken.
Rein zu bleiben auch wenn nichts Reines dich umgibt ist der
Weg der Khalsa und wurde von Guru Gobind Singh (10. Guru)
in die Welt gebracht.
Der transzendente Zustand ist kein Zustand, in dem die Welt
ignoriert wird. Aber es befreit uns in dem Wissen vom einen
in allen. In den Gesichtern von jedem den wir begegnen, können
wir das Licht Gottes erkennen. Diese inspirieren uns zum Mut
zur universellen Solidarität; die absolute Erkenntnis
unserer gemeinsamen Einsamkeit. Niemand ist unser Feind und
keiner ist ein Fremder; wir gehen Arm in Arm. Es ist so, wie
Guru Nanak es in den letzten zwei Zeilen des Japji
beschreibt: Die erleuchteten Menschen werden viele andere
mitnehmen.
- Shiv Charan Singh
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